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Quo vadis – Roboterjournalismus

Quo vadis – Roboterjournalismus Posted on 20. Juli 2017Leave a comment

Roboterjournalismus ist aktuell ein heiß diskutiertes Thema. Das Thema Fake-News, welches sich Mitte 2016 in den Vordergrund drängte, hatte sogar damit zu tun. Unter anderem kamen dabei verschiedene Anwendungen zum Einsatz, die Phrasen umgestalteten und dadurch sehr diversen Content automatisiert produzierten. Doch wie häufig tappen wir in die Falle und können Roboterjournalisten nicht von ihren menschlichen Kollegen unterscheiden? Laut einer Studie der LMU München passiert uns das sehr häufig. Eine weitere Studie der LMU München zu diesem Thema findet ihr hier. Firmen wie textOmatic und AX Semantics arbeiten bereits seit längeren an Software, die die Textproduktion beherrschen soll. Auch ausgewiesene Journalismus-Experten schieben den Maschinen einige Stärken zu (kennen aber auch deren Schwächen).

Aber wie eigentlich der Stand im Roboterjournalismus. Was können Roboter bereits gut? Wie wird sich in der Zukunft die Arbeit der menschlichen Journalisten von denen der Maschinen differenzieren? Darum soll es in diesem Artikel gehen.

 

Was ist bisher passiert?

Vielleicht die erste Maschine im Journalismus? Die Schreibmaschine. Quelle: pexels.com - Modell Everest Mod 90
Vielleicht die erste Maschine im Journalismus? Die Schreibmaschine. Quelle: pexels.com – Modell Everest Mod 90

Auf die Idee, Maschinen im Journalismus zu benutzen, kamen vor allem Redaktionen, die sich mit den Bereichen Wetter-, Finanz-, Börsen- und Sport-Journalismus beschäftigen. In diesem Bereichen müssen sehr viele Daten gesichtet werden, um letztendlich einen kurzen Abschnitt zum Sieg eines Fußballteams oder den aktuellen Börsenwerten zu schreiben: statistische Hintergründe in 2 Sätzen präsentieren. Diese Aufgabe ist meist sehr mühselig und steht bei großen Datensätzen oft nicht in Relation zu dem Platz, den die kurze Nachricht letztendlich bekommt. Nehmen wir noch einmal das Beispiel Sport unter die Lupe.

Bei einem Basketballspiel werden für gewöhnlich sehr viele Statistiken gesammelt. Dabei enstehen Summen, Raten, Durchschnitte, Verteilungen und sehr viele verschiedene Ratings. Ein riesiger Datenberg also, den der leidenschaftliche Sport-Journalist natürlich mit Genuss auswertet. Allerdings benötigt er dafür sehr viel Zeit. In den meisten Fällen spielen aber nicht zwei Mannschaft ohne Kontext gegeneinander. In einem durchschnittlichen Ligabetrieb spielen 18 Mannschaft. Es gibt also 9 Spiele, die der Journalist zu bearbeiten hat. Zudem gehört es sich, dass das Ergebnis eines Spiels in den Kontext der anderen Partien gebettet werden muss. Wie verändern sich die Tabellensituationen? Wer sind die nächsten Gegner einer Mannschaft? Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Mannschaft in der aktuellen Form eine Chance hat?

Die Informationsdichte in solchen Artikeln sollte sehr hoch sein – der Artikel soll Kennzahlen, aufbereitete Fakten und alle komplizierten Zusammenhänge einfach dargestellt, enthalten.

„Guten, phantasievollen Journalismus wird auch in 50 Jahren kein Roboter produzieren“ ~ Thomas Hestermann, Journalistk-Professor im meedia-Interview

Was kann Roboterjournalismus noch nicht?

Artikel mit Fakten sind für Maschinen machbar. Ebenso ist das Einbetten von Kennzahlen kein Problem. Meinungsbasierte Artikel werden für den menschlichen Journalisten der Zukunft das Markenzeichen sein. Mit der Interpretation von politischem Geschehen und dem Schreiben von Kolumnen tuen sich aktuelle Roboterjournalisten noch sehr schwer. Ebenfalls nicht so einfach ist es für Maschinen, phantasievolle Texte zu schreiben. Dort gibt es aber aktuell den Trend, Maschinen das Thema Storytelling näher zu bringen. Neben diesem Trend gibt es schon seit einiger Zeit verschiedene Software-Systeme (Sammlung 1, Sammlung 2), die Stories umschreiben oder zusammenfassen können. Bis es aber eine Künstliche Intelligenz geben wird, die nicht nur gelernte Phrasen umbaut, sondern durch eigene und kontinuierliche Wahrnehmung der Umgebung phantasievolle Texte schreibt, werden noch einige Jahre vergehen.




Was bleibt?

Die zwei Argumentationsrichtungen „Arbeitsplatzkiller vs. Qualitätssteigerung“ sind die Häufigsten, wenn man mit Journalisten über das Thema Maschinen in der Journalistik diskutiert. Ich bin der Meinung, das Journalisten in angesprochenen Bereichen (Sport, Wetter, Börse, Finanzen, etc.) durchaus ihren Job behalten werden. Es wird auf das Profil und die Persönlichkeit ankommen, die der jeweilige Journalist mitbringt. Artikel die nur auf Fakten und Zahlen basieren, werden von einer KI übernommen. Leicht zu konsumierende Artikel die Fakten spiegeln, werden automatisiert. Dies bringt eine große Chance für Magazine und persönliche Kolumnen, die dadurch mehr als „Lesegenuss“ identifiziert werden. Informieren und genießen wird damit noch differenzierter kommuniziert werden (müssen). Viele Journalisten die aktuell mit der Aufarbeitung vieler Daten für wenige Zeilen beschäftigt sind, hätten mit diesen Maschinen viel mehr Zeit, kritische Fragen zu stellen – denn die sind nötig!

Pressefreiheit: Die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu drucken. ~ Paul Sethe, deutscher Publizist

 




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