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Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen – Buchkritik und Lesetipp

Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen – Buchkritik und Lesetipp Posted on 2. November 2017Leave a comment

Hier gehts zum Buch

Yuval Noah Harari zeichnet in Homo Deus (deutsch, englisch) die Reise der Menschheit nach. Er beginnt in der Vergangenheit, beschreibt, was den Homo Sapiens zu dem gemacht hat, was er heute ist. Was unterscheidet ihn von anderen Säugetieren? Warum konnte er Kulturen etablieren? Nachdem diese Fragen beantwortet sind, geht er einen Schritt weiter. Wo geht die Reise noch hin? Damit beschäftigt sich das Buch. Sehr bemerkenswert: Der Autor ruht sich bei dieser Betrachtung nicht nur auf technischen Möglichkeiten aus, sondern beleuchtet den ethischen und gesellschaftlichen Unterbau, den so ein Umbruch mit sich bringt oder gar voraussetzt.

“The most common reaction of the human mind to achievement is not satisfaction, but craving for more.” ~ Y. N. Harari

Was ist der Unterschied zwischen dem Mensch und anderen Tieren? Wie hat unsere Spezies die Welt erobert? Ist der Homo Sapiens eine überlegene Lebensform? Im zweiten Teil es Buches dreht sich vieles darum, wie und warum der Mensch auszog, um Gebiete zu erobern. Dabei spielt natürlich auch der Einfluss, den Menschen auf Natur und Tierwelt hinterließen, eine große Rolle. Hauptsächlich ist der Homo Sapiens laut Harari anderen Lebensformen überlegen, weil er sehr lange vorausplanen kann, weil er sich komplexe Sachverhalte glauben kann und Geschichten weiter erzählt.

“Yet in truth the lives of most people have meaning only within the network of stories they tell one another.”  ~ Y. N. Harari

An dem Punkt stellt sich der Autor die Frage, wer oder was die Bedeutung in die Welt bringt – Sinn des Lebens, Sinn der Welt, Sinn des Universums. Der Mensch ist es, der durch Geschichten dem Leben eine Bedeutung gibt. Harari hat einige Beispiele parat, die zeigen, wie viel Macht die Menschen bestimmten Unterschriften, Stempeln und Papieren beigemessen haben und es immer noch tun. Vertrauen in Institutionen ist also ein wichtiger Bestandteil unseres Zusammenlebens. Eines dieser Beispiele ist der Ablasshandel, dessen Aufgabe es war, sich gegen Zahlung von Geld von einer bestimmten Sünde freizukaufen. Ein Stück Papier mit einer Unterschrift eines Offiziellen der Kirche genügt und die begangene Sünde ist vergeben.

„Brands are not a modern invention. Just like Elvis Presley, pharaoh too was a brand rather than a living organism“ ~ Y. N. Harari

Die Geschichten und Stories die sich Generationen von Menschen erzählt haben, waren der Klebstoff unserer Entwicklung.

Mit dem Beginn der humanistischen Revolution bekam der Mensch zwar mehr Macht, musste gleichzeitig aber einräumen, nur der kleine Teil eines großen kosmischen Plans zu sein. Mit der Änderung des „Sinn des Lebens“ musste der Mensch erst einmal zurecht kommen. Die erzählten Geschichten der Religion verloren an Bedeutung und die Wissenschaft (und ihre „Stories“) gewann an Macht. Der Humanismus sagt im Prinzip: Wenn es sich gut anfühlt, tu es. Dafür findet Harari auch sehr einfache Formeln, die helfen, das Weltbild der Menschheit zu bestimmten Zeiten zu verstehen.

“People are usually afraid of change because they fear the unknown. But the single greatest constant of history is that everything changes.” ~ Y. N. Harari

Letztendlich bringt uns der Humanismus zum Dataimus. Warum? Weil er uns, den Menschen und damit das Zentrum des Humanismus, noch viel besser in Zahlen ausdrücken kann, als wir es können. Um diesen Sprung zu schaffen, verweilt Harari sehr lang beim Thema Humanismus und differenziert seine verschiedenen Strömungen aus. Große Datenmengen sind sehr viel wert, denn sie können ein erweitertes kollektives Bewusstsein schaffen. Wir haben nun Zahlen über uns, über unsere Mitmenschen – darauf können wir neue Stories bauen, an die wir wiederum glauben können.

 

Alles ist vernetzt! Wie verändert der Dataismus unsere Sicht auf uns als Mensch und auf unsere Gesellschaft.

Was kommt danach?

Die letzten Kapitel von Homo Deus (deutsch, englisch) beschäftigen sich mit dem, was mit dem Dataimus und einem sehr hohen Grad an Automatisierung einhergeht. Falls ihr das Buch bisher spannend fandet, werden euch die letzten Kapitel auch gefallen.

Einschätzung

Das Buch ist sehr unterhaltsam. Es zeigt sehr viele Aspekte der Geschichte sehr detailiert aus der heutigen Sicht. Deshalb regt es zum Nachdenken an, da uns der Zeitgeist ein anderen Blickwinkel auf die Vergangenheit erlaubt. Harari kann seine Thesen und Ideen für die Zukunft sehr gut begründen und trägt diese fundiert vor. Tolles Buch!

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