Erklärbarkeit klingt nach einer Eigenschaft, die ein System hat oder nicht hat. Tatsächlich ist sie ein nachträglich hergestelltes Hilfskonstrukt – nützlich, aber missverständlich.
Das Problem
Ein Netz mit Millionen Parametern trifft eine Entscheidung, ohne dass irgendwo eine Regel steht, die man nachlesen könnte. Die Frage „warum?“ hat schlicht keine im System hinterlegte Antwort.
Was die Verfahren tun
- Eingaben systematisch verändern
Das Verfahren variiert einzelne Merkmale und beobachtet, wie sich das Ergebnis verschiebt.
- Einfluss schätzen
Aus den Verschiebungen wird abgeleitet, welche Merkmale das Ergebnis am stärksten getragen haben.
- Als Erklärung darstellen
Herauskommt eine Gewichtung: Merkmal A trug soundso stark bei, Merkmal B wirkte dagegen.
Niemand liest den Rechenweg aus. Die Erklärung ist eine Näherung an das beobachtete Verhalten. Zwei Verfahren können für denselben Fall unterschiedliche Erklärungen liefern – beide „richtig“ im Sinne ihrer Methode.
Die unbequeme Alternative
Wenn Nachvollziehbarkeit rechtlich gefordert ist, lohnt die Frage, ob es das komplexe Modell überhaupt braucht.
Was für Anwender zählt
- Kann die aufsichtführende Person die Ausgabe einordnen?
- Hat sie die Befugnis und die Zeit, zu widersprechen?
- Wird dokumentiert, wenn widersprochen wurde – und warum?
- Gibt es einen Weg für Betroffene, eine Überprüfung zu verlangen?