Seit Jahren steht das vollautonome Fahren kurz bevor. Der Grund für die Verzögerung ist gut verstanden und lässt sich auf die gesamte Robotik übertragen.

Das Problem heißt Rand, nicht Durchschnitt

Ein System, das 99,9 Prozent der Verkehrssituationen beherrscht, ist nicht zu 99,9 Prozent fertig. Die verbleibenden Fälle sind je einzeln extrem selten – und in der Summe ständig da: ein umgefallener Sonnenschirm auf der Fahrbahn, ein Polizist mit Handzeichen, eine Ampel im Rückspiegel eines Lastwagens.

Warum mehr Daten nur begrenzt helfen

Für Situationen, die selten vorkommen, gibt es wenige Beispiele – das ist definitionsgemäß so. Simulation hilft, deckt aber nur ab, was jemand vorher bedacht hat. Genau das ist bei unvorhergesehenen Situationen die offene Frage.

Was daraus folgt

Öffentlicher Verkehrsraum
  • Umgebung nicht gestaltbar
  • Unbegrenzte Fallvielfalt
  • Lösung: räumliche Begrenzung und Kartierung
  • Fahrerlose Dienste laufen deshalb stadtweise
Industrieumgebung
  • Umgebung gestaltbar
  • Fallvielfalt begrenzbar
  • Lösung: Umgebung anpassen statt Modell verbessern
  • Seit Jahrzehnten im Einsatz

Humanoide Bauformen

Die Begründung für menschenähnliche Roboter ist keine ästhetische, sondern eine wirtschaftliche: Die Welt ist für Menschen gebaut – Treppen, Türklinken, Werkzeuge, Arbeitshöhen. Eine Maschine mit menschlicher Bauform kann diese Umgebung nutzen, ohne dass sie umgebaut wird.

Das lohnt sich nur, wo der Umbau teurer wäre als die aufwendigere Maschine. In einer neu geplanten Halle ist ein spezialisierter Aufbau fast immer günstiger und zuverlässiger.

Rechtlicher Hinweis zur Emotionserkennung

Systeme, die Gefühlszustände erkennen sollen, sind in der EU am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen seit Februar 2025 verboten. Technisch werden dabei ohnehin Gesichtsausdrücke und Stimmlage klassifiziert – ob daraus auf Gefühle geschlossen werden kann, ist wissenschaftlich umstritten.