Wer nach KI im eigenen Alltag sucht, denkt an einen Chatbot. Tatsächlich läuft der größere Teil seit Jahren im Hintergrund, ohne dass jemand ihn so nennt.
Wo sie längst arbeitet
📬Spamfilter
Eines der ältesten erfolgreichen Anwendungsfelder. Klassifikation nach gelernten Mustern, millionenfach am Tag.
🎬Empfehlungen
Was oben steht, wird gesehen. Empfehlungssysteme prägen Auswahl stärker als jede Suchfunktion.
🗺️Routenberechnung
Die Ankunftszeit beruht auf einer Verkehrsprognose – einem Vorhersagemodell auf Bewegungsdaten.
💳Betrugserkennung
Auffälligkeitserkennung im Zahlungsverkehr, in Millisekunden, mit Fehlalarmen als Preis.
📷Kamerabilder
Was ein Smartphone speichert, ist kein Abbild des Sensors, sondern ein berechnetes Ergebnis.
⌨️Tastatur und Korrektur
Wortvorschläge und Autokorrektur sind kleine Sprachmodelle – seit Jahren, ohne Aufhebens.
Warum es nicht so heißt
Sobald eine Technik zuverlässig funktioniert und alltäglich wird, verliert sie das Etikett Künstliche Intelligenz.
Der Begriff wandert immer zur nächsten ungelösten Aufgabe. Was gelöst ist, heißt dann einfach Software.
Was daraus für die Praxis folgt
Für die Bestandsaufnahme
Wer für die KI-Verordnung ein Verzeichnis der eingesetzten Systeme erstellt, sucht meist nach den offensichtlichen Werkzeugen. Die Nebenfunktionen in vorhandener Software werden übersehen – Stimmungsanalyse im Kundenservice, Bewerbervorsortierung im Personalsystem, Auffälligkeitserkennung in der Zeiterfassung. Genau dort liegen die rechtlich heiklen Fälle.
Er kann unter die Definition fallen, gilt aber typischerweise als Anwendung mit minimalem Risiko und ist damit weitgehend frei von Auflagen. Die Verordnung nennt Spamfilter ausdrücklich als Beispiel dieser Kategorie.
Warum heißt das oft nicht KI?
Weil Techniken ihr Etikett verlieren, sobald sie zuverlässig funktionieren. Was heute selbstverständlich ist, galt vor zwanzig Jahren als Forschungsthema. Der Begriff wandert immer zur nächsten ungelösten Aufgabe.
Sind Empfehlungssysteme problematisch?
Sie sind wirkmächtig, weil sie Auswahl vorstrukturieren. Rechtlich fallen sie meist in die Kategorie minimales Risiko; für Empfehlungssysteme sehr großer Plattformen gelten allerdings gesonderte Transparenzpflichten aus dem Digital Services Act.
Seit 2012 selbstständig im SEO, seit 2024 mit Schwerpunkt auf generativer Suche und dem betrieblichen Einsatz von Sprachmodellen. Betreibt mehrere frei zugängliche Fachprojekte zu KI, SEO und KI.